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Start für Bahnprojekt Belgrad-Budapest

Für den Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest ist auf der Webseite der ungarischen Staatsbahn MÁV und in der EU-Datenbank TED eine erste Ausschreibung veröffentlicht worden.
 
Den Angaben zufolge handelt es sich dabei um den Implementierungsauftrag (Planung, Beschaffung und Bauausführung, EPC) für den 152 km langen ungarischen Abschnitt der Strecke zwischen Budapest-Soroksár und Kelebia. Bauherr des Vorhabens ist die Projektgesellschaft Kínai-Magyar Vasúti Nonprofit Zrt, die den Auftrag im Rahmen eines offenen Verhandlungsverfahrens in zwei Phasen vergeben will.
 
Die Bewerbungsfrist für die erste Phase endet am 19. Januar 2018, die Einladungen zur Verhandlungsphase sollen bis zum 19. März verschickt werden. Die Durchführung des Vergabeverfahrens wird voraussichtlich ein Jahr in Anspruch nehmen, weitere zwei Jahre soll die Planungs- und Genehmigungsphase dauern und die eigentliche Bauzeit nochmal drei Jahre. Bewerber müssen u.a. einen Mindestumsatz von 7,5 Mrd. HUF (24,2 Mio. EUR) aus nationalen Bahnprojekten und aus dem Signalanlagenbau in den letzten fünf Jahren sowie eine Bonität von 45 Mrd. HUF (145 Mio. EUR) aufweisen.
 
Im Zuge des Vorhabens ist der zweigleisige Ausbau der Strecke geplant, die für eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 160 km/h und eine Achslast von 225 kN ausgelegt wird. Darüber hinaus sollen das europäische Zugleitsystem ETCS und elektronische Sicherungssysteme installiert werden. Dabei werden u.a. Gleise in ca. 374 km Länge verlegt, 18 höhenfreie und 89 niveaugleiche Bahnübergänge errichtet, Brücken in einer Gesamtlänge von knapp 600 m gebaut und Oberleitungen in etwa 444 km Länge erneuert.
 
Vorangetrieben wird das Vorhaben von China, dessen Anliegen es ist, Waren aus dem Hafen von Piräus auf der Schiene in die EU transportieren zu können. Von dem Projekt erhofft man sich in Ungarn zudem höhere Kapazitäten der Bahnlinie und eine Verkürzung der Fahrtzeit auf weniger als eine Stunde auf der ungarischen Strecke, auf den 400 km von Budapest bis Belgrad soll die Fahrtzeit nur noch dreieinhalb anstatt der aktuell acht Stunden dauern.
 
Auf das Bahnprojekt hatten sich Ungarn, Serbien und China bereits im Dezember 2013 grundsätzlich verständigt. Einen ersten Vertrag über den Ausbau der ungarischen Strecke hatten Peking und Budapest 2015 auf dem CEE-China-Gipfel im südchinesischen Suzhou unterzeichnet, vor einem Jahr wurde das Gemeinschaftsunternehmen Kínai-Magyar Vasúti Nonprofit Zrt gegründet, an dem die chinesischen Gesellschaften China Railway International Corporation und China Railway International Group zu 85% beteiligt sind, die restlichen 15% der Anteile hält die MÁV.
 
Die Kosten des Vorhabens werden inzwischen auf 750 Mrd. HUF (2,42 Mrd. EUR) geschätzt und sollen 85% mit einem Kredit der chinesischen Exim Bank finanziert werden, für die restlichen 15% kommt der ungarische Staat auf. Der Kreditvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren sieht eine Verzinsung von 2,5% vor.
 
Damit gilt das Vorhaben schon jetzt als das teuerste Bahnprojekt in der ungarischen Geschichte. Zudem wird auch in Frage gestellt, ob es sich für Ungarn überhaupt lohnt: Die Strecke nach Kelebia liegt fernab von den Hauptlinien und ist sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr nur schwach ausgelastet. Vor diesem Hintergrund würden sich die Kosten des Verkehrsprojekts erst in etwa 2.400 Jahren amortisieren. Und auch die Europäische Kommission sieht mit Skepsis, dass Ungarn seinen Markt und damit den der EU für chinesische Baufirmen öffnet.
 
Die Bahnlinie Budapest-Kelebia wurde vor 135 Jahren errichtet und zuletzt in den 1960er Jahren erneuert. Sie ist auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt, aufgrund ihres schlechten Zustands liegt die Höchstgeschwindigkeit nur noch bei 80 km/h, streckenweise sogar noch deutlich niedriger.

Quelle: nov-ost.info 29.11.2017





Leipzig 02.12.2017
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